Preisträger

19. Niederländisch-deutscher Kinder- und Jugenddramatikerpreis in Duisburg 2017

  

Im Rahmen des Festivals „Kaas & Kappes“ wurden am Sonntag, 19.02.2017, im Duisburger Kinder- und Jugendtheater KOM’MA die Preisträger des 19. niederländisch-deutschen Kinder- und Jugenddramatikerpreises bekannt gegeben.

Der Kulturdezernent der Stadt Duisburg – Thomas Krützberg - überreichte die Preise im Gesamtwert von 7.500 EUR für zwei Theaterstücke.

Von den 102 Texten, die in diesem Jahr aus sechs verschiedenen Ländern (Deutschland (69), den Niederlanden (9), Belgien (9), Österreich (18) und der Schweiz (3) ) am Wettbewerb teilnahmen, wählte die vierköpfige Jury, bestehend aus Silvia Andringa (NL), Renate Frisch (D), Rob Vriens (NL) und Till Beckmann (D), folgende Preisträger aus:

 

von links nach rechts: 
Rob Vriens (Jury), Thomas Krützberg (Kulturdezernent der Stadt Duisburg), Raoul Biltgen (Preisträger), 
Till Beckmann (Jury), Marti Arts (in Vertretung für den Preisträger Joachim Robbrecht), Sylvia Andringa (Jury), Renate Frisch (Jury)

 

von Joachim Robbrecht (NL)

für das Stück 

"Bromance"

 

€ 3.750

Raoul Biltgen (A)

für das Stück

"Robinson - meine Insel gehört mir"

€ 3.750

 

Neben den Preisträgern empfiehlt die Jury folgende Texte und hat sie in den Stückepool aufgenommen: 

 

Jibbe Willems (NL)

mit dem Stück 

"Pretpark"

 

Finn-Ole Heinrich und 
Dita Zipfel
(D) 

mit dem Stück 

"Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt"

 

Susanne Falk (A )

 

mit dem Stück 

"Pamir" 

Sonja Weichand (D

 

mit dem Stück 

"Was sicher ist"

Carsten Brandau (D)

 

mit dem Stück

 

"Sagt der Walfisch zum Thunfisch"

 

Mariëlle van Sauers (NL)

 

mit dem Stück

 

"Meneer Bork zoekt een woord"

 

  

Informationen über die Jurymitglieder 2017:

Silvia Andringa (NL) – freie Regisseurin, Mitbegründerin des Theaters "Hat Laagland" und Leiterin "De Jonge Republiek" in Amsterdam

Renate Frisch (D) – Mitbegründerin des KOM’MA-Theaters, Regisseurin - Duisburg

Rob Vriens (NL) – Regisseur im Kinder- und Jugendtheater, seit 2005 Hausregisseur am Theaterhaus Frankfurt

Till Beckmann (D) – Autor und Schauspieler - Bochum

 

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Festivalleitung (Helmuth Hensen), Tel.: 0203.283-8485 oder –8486, info@kaasundkappes.de

 

hier die Begründungen der Jury:

 

Bromance - Joachim Robbrecht (NL)                                                     12+

Zwei Freunde ‚vom Land’ reden über Mädchen und Ficken und überbieten sich dabei gegenseitig im lauten Schreien. Dann kommt ein Neuer, aus der ‚großen Stadt‘, und er bringt einige ‚freie Gedanken’ mit. Die drei freunden sich an und fahren zusammen in Urlaub nach Polen. Da entsteht zwischen dem Neuen und einem der Dorfjungs eine kurze Romanze, mit Sex.                                                                                   
Aus einer scheinbar einfachen Geschichte – drei Jugendliche verhandeln Pubertätsthemen  - wird in diesem frisch sprudelnden Text ein raffiniertes Spiel. Freundschaft, Solidarität, Mädchen –natürlich Schwulsein, ja, auch das! -, Sex, Draufgängertum,  Umgang mit sanften und heftigen Emotionen, alles kriegt seinen eigenen Platz.

Mit schnellen, kurzen und treffenden Dialogen, bei denen die vielfache Wiederholung als Stilmittel eingesetzt wird,  gelingt es dem Autor, die ganze dynamische Welt der Jungs auf ein paar Quadratmetern neu zu erschaffen. Seine Sprache ist leicht, fühlt sich gnadenlos hautnah an. Das Tempo ist hoch, die Szenen kurz und knackig. Das bewirkt, dass heikle Themen wie z.B. Homosexualität selbstverständlich nebenbei behandelt werden und nie einen erhobenen Zeigefinger kriegen. Nur am Ende, wo Gewalt gegen Schwule thematisiert wird, meint man, einen Anflug von Moralisieren zu erkennen. Jedoch ist es naheliegend, dass ein solcher Text für Jugendliche Moral bedienen muss. Denn es ist auch 2017 leider immer noch nicht selbstverständlich, dieses Thema auf die Bühne zu bringen, ohne Vorurteile und besetzte Meinungen anzusprechen.

‚Bromance‘ ist eine Tragik-Komödie über aufblühende Liebe mit einem herrlich doppelten Boden. Der Abstand des Autors gegenüber der Jugendsprache bewirkt, dass der Text einerseits witzig und stereotyp wirkt, aber gleichzeitig die Jungs ernst nimmt in dem, wie sie ihr Leben wahrnehmen und in Worte fassen. Ein herrlicher Mix aus Bodenständigkeit des Dorflebens und freien Fantasien aus der Großstadt mit ihren Träumen von unbegrenzten Möglichkeiten.

Die Inszenierung, die Theater Sonnevanck (Enschede) in Zusammenarbeit mit Theater Oostpool (Arnheim) aus diesem Text gemacht haben, hat in Holland die ‚Goldene Krekel‘ gewonnen, den Preis für das beste Stück aus Holland und Belgien. Ein paar Sätze der Jury wollen wir hier gerne zitieren: “Ein ungreifbarer Eindringling bringt feste Strukturen ziemlich durcheinander und verschwindet genauso schnell, wie er aufgetaucht ist. Sein Erscheinen wirkt gleichsam entfesselnd wie heilsam. In ‚Bromance‘  erzielt dieses Muster eine überraschend frische Wirkung. Das Dreierverhältnis kriecht unter die Haut, um da ebenso gemein zu jucken wie sanft zu strahlen”. Wir hätten es nicht besser sagen können!                      
Nachdem wir ihn vorgestellt haben,  wird jetzt der Text auch preisgekrönt. Zu Recht!
                   

 

Robinson  Meine Insel gehört mir – Raoul Biltgen (A)                                                                                               10+

Ein Mann erzählt einen Witz, um ihn sofort danach zu hinterfragen.  „Der ist aber nicht lustig. Na ja, der ist ein bisschen lustig, so lange man nicht weiter darüber nachdenkt….“

Ausgehend von dem Topos der Robinsonade entwickelt der Autor zunächst ein an die Zuschauer adressiertes Selbstgespräch, in dem er seine Situation reflektiert: Der auf der Karibik-Insel  angeschwemmte Schiffbrüchige ist mit dem Leben davon gekommen, richtet sich in der Einöde ein und wartet auf Rettung.  Die Insel war ganz umsonst, ein Geschenk des Himmels sozusagen, und er beginnt nun, sie sich zu eigen zu machen. Nach und nach beschafft er sich alles, was er braucht:

Eine Hose, ein Hemd, ein Messer, ein Dach über dem Kopf, eine Ziege, einen Garten mit 3 Apfelbäumen, (nächstes Jahr sind es vier!), eine Flöte mit 3 Tönen, (nächstes Jahr sind es vier!), eine Decke, eine zweite Hose, einen Regenschirm, einen Hut, einen Sonnenschirm, einen anderen Hut…

Ich bin der „Herr meiner Welt.“ Indem er diese selbstzufriedene Bilanz zieht, geht dem Helden unserer Geschichte aber gleichzeitig die Gefahr auf, die jedem Besitz innewohnt: die Gefahr des Verlustes! Also muss ein Zaun her,  denn es könnte ja jemand kommen und ihm alles wegnehmen! Hoch muss der Zaun sein und ohne Tür. „Das hat etwas mit Sicherheit zu tun….“

Während der Mann seinen Besitz und dessen Absicherung ständig optimiert, wächst seine Angst , vor möglichen Eindringlingen, bis ein solcher tatsächlich vor ihm steht:  Freitag erscheint erst nach fast der Hälfte des Textes, steht plötzlich wortlos da und wird zunächst mit Anschuldigungen überhäuft, einen gewaltsamen Angriff auf den Herrn der Insel im Schilde zu führen. Die Beteuerungen des Mannes, lediglich gestrandet zu sein, während er seine Heimat auf der Flucht vor Kannibalen über das Meer verlassen musste, werden ihm nicht geglaubt. Dass auch Robinson „seine“ Insel einmal aus einer ähnlichen Not heraus gefunden und als Rettung angenommen hat, will dieser nicht mehr wahrhaben. „Ich war zuerst da!“, heißt die Rechtfertigung seiner Vormachtstellung. Auch rutscht ihm unversehens die sattsam missbrauchte Formel „Ich bin das Volk“ heraus und entlarvt ganz nebenbei  die Engstirnigkeit seiner Gesinnungsgenossen.

Freitag ist – anders als in der berühmten Roman- Vorlage – mit seinem Gegenüber geistig auf Augenhöhe. Eine Annäherung  geschieht  über die allmähliche Einsicht Robinsons, dass die beiden einander nützlich sein könnten. Und über das gemeinsame Lachen über den abschließenden Witz: „Zwei Männer leben auf einer einsamen Insel. Kommt eine Fee und sagt: Ihr habt jeder einen Wunsch frei. Sagt der eine: Ich will wieder nach Hause. Und schwupp – ist er weg. Sagt der andere: Jetzt bin ich ganz allein, ich wünsch mir den anderen wieder her!“

„Robinson“ ist eine wundervoll kluge gesellschaftskritische Parabel  über Angstdenken in Bezug auf das Fremde. Die betont lockere Sprache erinnert an den Plauderton einer Stand-Up-Comedy  und vermeidet alles Moralisierende. Stattdessen wird hier mit Intelligenz und Humor  auf sehr unterhaltsame Weise zu einem der brennendsten Probleme unserer Zeit Stellung bezogen.

 

 

Bromance - Joachim Robbrecht (NL)                                                                                      (12+)

Twee vrienden van het platteland, praten over meiden en neuken en overschreeuwen zichzelf nogal. Dan komt er een jongen uit de grote stad in het dorp en hij neemt een aantal ‘vrije gedachten’ mee. De drie jongens worden vrienden en gaan op vakantie naar Polen. Daar ontstaat tussen ‘de nieuwe’ en een van de gezworen vrienden een romance, mét sex.
Een op het oog eenvoudig verhaaltje -drie jongens verhandelen puberthema’s- verwordt tot een geraffineerd spel middels deze sprankelende tekst. Vriendschap, solidariteit, meisjes -natuurlijk- , homo zijn -ja ook-, sex, bravoure, omgaan met tedere én heftige emoties; het krijgt allemaal een gelijkwaardige plek. 
Door snelle, korte en rake dialogen met veel herhalingen op te voeren, lukt het de schrijver de dynamische wereld van drie jonge mannen Tim, Bo en Jonas op de vierkante meter te (her-)scheppen. Zijn taal ís licht, maar voelt ‘dicht op de huid’. Het tempo is hoog, de scenes kort en bondig. Dat maakt dat heikele thema’s als bijvoorbeeld homosexualiteit juist voorbij razen, speels aangestipt worden en nergens een belerend vingertje krijgen. Enkel op het eind, wanneer geweld tegen homo’s langskomt, lijkt het daar even op. Maar het is danook voorstelbaar dat een dergelijke tekst voor een jongerenpubliek toch ook ergens normerend gedrag moet bedienen. Want in deze tijd is het jammergenoeg nog steeds niet vanzelfsprekend dit onderwerp te behandelen, zonder botte vooroordelen en vooropgezette meningen weg te laten

Bromance is kortom ‘een tragie-komedie over ontluikende liefde’ met een prettige dubbele laag. De afstand van de schrijver tot de jongerentaal maakt dat het enerzijds grappig en stereotiep werkt, maar tegelijkertijd de jongens serieus neemt in hoe zij hun bestaan ervaren en verwoorden. Een heerlijke mix van de voeten in de aarde vanuit het ‘dorp’ en de vrije fantasieën uit de ‘grote stad met haar onbegrensde dromen en mogelijkheden. 

De voorstelling Bromance van Theater Sonnevanck in samenwerking met Theater Oostpool, heeft in Nederland de belangrijkste prijs voor kinder- en jeugdtheater ‘De gouden krekel’ gewonnen. Een paar zinnen uit dat juryrapport willen we u niet onthouden: “ Een ongrijpbare indringer ontregelt bestaande sociale structuren en verdwijnt even plots als hij opduikt; zijn komst werkt splijtend alsook helend. In Bromance krijgt deze vertrouwde vorm een verrassend pittige uitwerking: de heftige driehoeksverhouding vol bravoure kruipt stiekem onder je huid, om daar venijnig te jeuken als ook zacht te strelen." We hadden het niet beter kunnen zeggen.                                                                         
Na de voorstelling wordt nu dus ook de tekst gelauwerd. Terecht!                                         

  

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Festivalleitung (Helmuth Hensen), Tel.: 0203.283-8485 oder –8486, info@kaasundkappes.de

 

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